Hannoversche Allgemeine Zeitung, 17. Januar 1997
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Mehrsprachige Erziehung war vor einigen Jahren noch heiß umstritten. Kritiker befürchteten ein Zurückbleiben in der Muttersprache, Entwicklungsstörungen und Nachteile gegenüber einsprachig aufwachsenden Kindern. Inzwischen sind solche Bedenken durchweg widerlegt, betont Professor Henning Wode. "Jeder Mensch kann mehrere Sprachen lernen - dies ist beispielsweise in vielen Regionen Afrikas der Normalfall", sagt der Experte für mehrsprachige Frühförderung an der Universität Kiel. "Die Vorstellung von der 'einen' Muttersprache ist ein Relikt überkommenen Nationalstaatsdenkens." Zumutbar sei für die Kinder auch ein Konzept zweisprachiger Erziehung auf deutsch und französisch zugleich, wie es beispielsweise der bereits einige Zeit arbeitende deutsch-französische Kindergarten in Bremen verfolgt. Das einsprachige Vorgehen der "Kleinen Gallier" in Hannover sei aber zweifelsfrei "der direkteste Weg zur Mehrsprachigkeit". Gefährlich werde frühkindliches Fremdsprachenlernen nur bei allzu unterschiedlichen Voraussetzungen in der Lerngruppe - etwa weil Kinder französischer Eltern bereits einen Vorsprung in der zweiten Sprache haben oder weil für Kinder von Migranten schon Deutsch eine Fremdsprache ist. Die früheren Vorbehalte gegen bilinguale Erziehung beruhten auf genau solchen Problemen - wer darum weiß, kann sie leicht vermeiden. Als stärkstes Argument für bilinguale Erziehung führt der Wissenschaftler die besondere Merkfähigkeit im Kindesalter an. "Wir haben in vielen Studien gezeigt, daß Kinder auch mehr als zwei Sprachen parallel erlernen können." Im etablierten Schulwesen werde diese Chance der frühen Jahre vertan. "Deutschland leistet sich noch immer den fragwürdigen Luxus, beim Sprachenlernen die ersten zehn Lebensjahre seiner Kinder nutzlos verstreichen zu lassen." Daniel Alexander Schacht |
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